„Was wir mitbrachten, war lediglich ein guter Wille“
Heinrich Roskam
Am 10. Juli 1948 erfolgte im Gasthof Schäfer in Collinghorst die Gründung des Heimatvereins Overledingerland e.V. Treibende Kraft waren der Landwirt Heinrich Roskam aus Rhaude und der Lehrer Hermann Gils aus Collinghorst. Interesse an Familien- und Geschichtsforschung sowie der Leitgedanke, das kulturelle Leben der Nachkriegszeit wieder zu beleben, waren ausschlaggebend. 19 Gleichgesinnte wählten Gils zum Vorsitzenden, doch bereits im Folgejahr ging das Amt an Heinrich Roskam über. Dieser sollte sich als maßgeblicher Gestalter des Heimatvereins erweisen.
Ziele und Aufgaben wurden bereits am Gründungstag verschriftlicht. In Grundzügen sind diese bis heute in der Vereinssatzung verankert.
- Schutz der Dorf- und Landschaftsbilder vor Verunstaltung, Erhaltung bemerkenswerter alter Gebäude und Förderung einer zur Umgebung passenden (…) Bauweise
- Schutz und Pflege der Naturdenkmäler
- Schutz der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt
- Pflege der Volkskunst, Einrichtung einer Heimatbühne und Unterrichtskurse im Spinnen und Weben und für Volkstänze
- Erhaltung alter guter Sitten und Gebräuche, Trachten, Namen und plattdeutscher Mundart
- Verbreitung der Kenntnis der ostfriesischen Geschichte.
Noch im Gründungsjahr nahm eine plattdeutsche Heimatbühne ihre Arbeit auf. 1949 folgte dann eine Volkstanz- und Trachtengruppe.
In den ersten Jahren gehörte Heimatforschung in Form von Archiv- und Kartierungsarbeiten, der Publikation von Forschungsartikeln sowie Hobbyarchäologie zu den Kernaufgaben. Auch begann eine rege Sammeltätigkeit erhaltenswerter Objekte und das Vereinsleben wurde durch Klönabende, Vereinsfahrten und bunte Heimatabende bereichert.
Eine Bleibe fand man im Wirtschaftstrakt der Villa Graepel in Westrhauderfehn. Dort schuf man sich Platz für eine heimatkundliche Sammlung, welche bis heute den Grundstock des Fehn- und Schiffahrtsmuseums Westrhauderfehn bildet. Rasch verlagerte sich das Hauptgewicht der Vereinsarbeit von Collinghorst nach Rhauderfehn.
Seit den Gründungstagen ist das Hauptanliegen des Vereins, die Identifikation der Menschen des Overledingerlandes mit ihrer Umgebung zu stärken und gleichsam Gäste für die Eigenheiten der Lokalgeschichte und der hiesigen Mentalität zu sensibilisieren. Diesen Zielen dienen die museale Sammlung, die Bibliothek, das Archiv, Exkursionen, Vortragsabende und Veranstaltungsreihen.
Doch nehmen mittlerweile die Herausforderungen immer mehr zu. Der Verein hat mit Überalterung zu kämpfen. Die Mitgliederzahlen schwinden und auch die Sicherstellung des Finanzhaushaltes stellt die Aktiven vor massive Probleme. Zudem können einige der Aufgaben der Gründungszeit – wie etwa der Naturschutz – mittlerweile von anderen Organisationen wesentlich besser wahrgenommen werden. Für die Zukunft gilt es, sich also neu aufzustellen, neue Aufgaben und Forschungsfelder zu erschließen und sich vielleicht auch neu zu definieren.
